September 24, 2019

#SinGP: Details machen den Unterschied

2019 FIA Formel 1 Singapore Airlines Singapur Grand Prix – Rennen – Sonntag
Wetter: bedeckt und feucht, 30,2-29,5°C Luft, 37,2-34,2°C Asphalt

Als Antonio Giovinazzi während des Grand Prix von Singapur die Führung übernahm, war uns natürlich klar, dass er Platz eins nicht bis ins Ziel würde halten können. Anders als seine direkten Verfolger hatte er seinen Boxenstopp noch vor sich. Je tiefer das Rennen in die Nacht führte, desto klarer war die zwangsläufige Tatsache, dass er seinen Platz an der Spitze des Feldes abgeben muss. Und doch träumten wir eine Zeit lang von Umständen, die zu einem anderen Ergebnis führen würden. Beinahe wären unsere Wünsche in Erfüllung gegangen.

Rückblickend prallte George Russel eine Handvoll Runden zu spät gegen eine der Begrenzungsmauern. Dieser Unfall beendete nicht nur sein Rennen, sondern löste auch die erste Safety-Car-Phase der Nacht aus. Zu spät für Antonio, denn der hatte inzwischen seine Reifen wechseln lassen und war dadurch ins hintere Mittelfeld zurückgefallen. Das Fazit aus unserer Perspektive: Ein unkalkulierbarer Zufall entschied über den Ausgang des Rennens. Das zeigt, dass in der Formel 1 Kleinigkeiten große Auswirkungen haben können. Das kann man auch über Kimis Abschneiden sagen, der nach einer Rempelei mit Daniil Kvyat aufgeben musste. Ein solcher Zwischenfall führt normalerweise zu nicht mehr als einer beschädigten Felge… Erneut hatte ein winziges Detail riesige Auswirkungen auf das Resultat.

Als das Feuerwerk den Nachthimmel über dem Circuit Marina Bay erhellte, verließen wir Singapur mit einem weiteren WM-Punkt in der Tasche. Dieser Punkt ist der Lohn für unsere großen Anstrengungen. Er fühlt sich allerdings ein wenig mager an, denn wir meinen, wir hätten mehr verdient. Wir verlassen den Stadtstaat mit dem Gefühl, bis zum Ende der Saison durchaus mitmischen zu können. Wir haben erfahren, Antonios Führungsrunden seien seit 2015 die ersten eines Fahrers, der keinem der drei Top-Teams angehört. Das mag der Fall sein oder nicht, die Gefühle haben wir jedenfalls genossen. Wenn kleine Details so wichtig sind, dann kann auch ein kleiner Motivationsschub einen großen Unterschied bewirken.


Frédéric Vasseur, Team Principal Alfa Romeo Racing und CEO Sauber Motorsport AG:

„Dieses Rennen mit seinem Verlauf à la Achterbahn mit dem Gewinn eines Punktes zu beenden, ist positiv. Aber es gibt auch Bedauern darüber, wie sich die Nacht entwickelte. Antonio fuhr ein ausgezeichnetes Rennen. Ihm unterliefen praktisch keine Fehler. Wäre das Safety-Car nur wenige Runden früher zum Einsatz gekommen, könnten wir mit Blick auf ihn jetzt von einem unglaubliches Abschneiden sprechen. Antonio schaffte es anschließend trotz eines beschädigten Autos einen Punkt zu retten, aber ein „Was wäre, wenn“ bleibt. Kimi fuhr ebenfalls ein sehr solides Rennen. Von seiner Startposition aus machte er Plätze gut und lauerte auf Punkte. Als er mit bereits abgefahrenen Reifen kämpfte, wurde er unglücklicherweise in eine Kollision mit Kvyat verwickelt, die sein Rennen beendete. Unterm Strich ist ein Punkt ein Punkt, aber in der kommenden Woche werden wir in Sotschi mehr anpeilen.“


Kimi Räikkönen (Startnummer 7):
Alfa Romeo Racing C38 (Chassis 06/Ferrari)
Ergebnis: DNF
Schnellste Runde: 1.36.217,11
Reifen: Neue Medium (15 Runden) – Neue Hard (34 Runden)

„Das war nicht gerade mein Wunschergebnis, aber es ist, wie es ist. Meine Reifen bauten ab. Nach dem ersten Neustart gelang es mir, meinen Platz zu halten. Beim zweiten aber waren meine Reifen zu kalt, was mich drei Plätze kostete. Von da an hatte ich Probleme. Der Zwischenfall mit Daniil Kvyat beendete mein Rennen, aber viel gab es für mich ohnehin nicht mehr zu holen. Auf der Geraden sah ich ihn ziemlich weit hinter mir. Als ich dann einlenkte, sah ich ihn im Augenwinkel, doch da war es schon zu spät, um reagieren zu können. Die Stewards vernahmen mich zur Sache, aber ich glaube nicht, dass der Vorfall Konsequenzen nach sich zieht.“


Antonio Giovinazzi (Startnummer 99):
Alfa Romeo Racing C38 (Chassis 04/Ferrari)
Ergebnis: Platz 10
Schnellste Runde: 1.58.51,522
Reifen: Neue Medium (33 Runden) – Neue Hard (2 Runden) – Neue Soft (26 Runden)

„Dieses Rennen war ein großer Kampf. Ich freue mich, einen Punkt für mich und das Team geholt zu haben. Mein Eindruck ist allerdings unverändert, dass wir besser hätten abschneiden können. Den ersten Stint auf Medium-Reifen fuhren wir länger, als es ideal gewesen wäre. Aber hinterher ist man immer schlauer. Wenn wir früher gestoppt hätten, hätte es vielleicht für P7 vor Norris gereicht. Als sich die Reifen ihrem Ende zuneigten, hatte ich ziemliche Mühe, und der Kontakt mit Daniel (Ricciardo) war auch nicht gerade hilfreich, da ich für den Rest des Rennens mit einer beschädigten Vorderrad-Aufhängung unterwegs war. Die Lenkung zog nach einer Seite, was echte Probleme verursachte. Aber ich wollte diesen Punkt unbedingt und kämpfte bis zuletzt, um diesen Platz zu halten. Das Rennen anzuführen und an der Spitze gegen die Ferrari und Mercedes zu kämpfen, war ein tolles Gefühl. Ich hoffe, dass in dieser Phase zu Hause jemand einen Screenshot vom Zwischenstand machte!“