Juli 10, 2019

#SilGP: Geschichte wird lebendig

Alfa Romeo und Silverstone – ein legendäres Duo, überreich an Geschichte. Wenn wir an diesem Wochenende auf die Rennstrecke in der Grafschaft Northamptonshire zurückkehren, werden die Gedanken um den 13. Mai 1950 kreisen, den allerersten Tag der Fahrerweltmeisterschaft.

Über dieses historische Rennwochenende ist viel gesagt worden: Es war der Beginn der stolzen Historie der Formel 1, der auf der buckligen Piste eines englischen Flugplatzes über die Bühne ging. Blaublütige auf und neben der Piste: Der siamesische Prinz Bira und der eidgenössische Baron de Graffenried gehörten dem Feld an, das vor den Augen von König George VI. und der späteren Königin Elizabeth II. an den Start ging. Nicht zu vergessen natürlich, der blitzsaubere Auftritt der Alfa Romeo vom Typ 158, die von Dr. Giuseppe „Nino“ Farina, Luigi Fagioli und dem Lokalmatador Reg Parnell auf die ersten drei Plätze gefahren wurden.

Worauf wir uns jedoch konzentrieren wollten, ist all das, was aus dieser Zeit weniger bekannt ist – die Insider-Geschichten, die sich anlässlich der beeindruckenden Dominanz des Teams Alfa Romeo hinter den Kulissen abspielten und von Macken und Kleinigkeiten handeln. Ein Beispiel gefällig? Auf unserer Suche stießen wir auf eine ganz besondere Story. Hierzu muss man wissen, dass das Gewicht, das in jener Zeit nicht von entscheidender Bedeutung war, und eventueller Ballast nicht im Verantwortungsbereich der Ingenieure lag. Wie auch immer: Farina packte sich vor dem Start die Taschen seines Overalls voll mit Kaugummi. Anscheinend war er unfähig, sich ohne die Aktivierung seiner Kaumuskeln konzentrieren zu können. Es entzieht sich unserer Kenntnis, wie er die durchgekauten Reste entsorgte, glauben aber gern, dass er für die ersten Gummireste der F1-Geschichte verantwortlich war, die sich unmittelbar neben der Ideallinie ansammelten.

Am wichtigsten ist allerdings: Das Auftaktrennen im Jahr 1950 hätte einen völlig anderen Ausgang nehmen können, wenn die Weltgeschichte zuvor anders verlaufen wäre. Nachdem die Alfetta Tipo 158 bereits 1938 gebaut worden waren, mussten sie zunächst die harten Jahre des Zweiten Weltkriegs überstehen, in deren Verlauf ihr Ruhm sie zu begehrten Objekten für Diebe und ehrgeizige Offiziere (aller beteiligter Seiten) machte. Zudem lauerte ständig die Gefahr, durch einen Bombenhagel zerstört zu werden. Sicherheitshalber wurden die Autos in der ländlichen Umgebung auf Bauernhöfe verteilt, abseits der unmittelbaren Gefahr, die vom Himmel regnete. Doch Strauchdiebe lagen auf der Lauer, darunter auch einige übereifrige deutsche Offiziere, die darauf aus waren, jene Rennwagen in ihre Hände zu bekommen, die bereits vor dem Krieg legendären Status erlangt hatten. Nur Dank des Einfallsreichtums des Bauern, dem die Autos zur sicheren Aufbewahrung anvertraut worden waren, konnte der Verlust verhindert werden: Er versteckte die Autos unter einem riesigen Holzstapel, und die Soldaten gaben die Suche frustriert auf. Die Alfettas waren gerettet, und nur fünf Jahre nach den Feindseligkeiten standen sie in Silverstone in der Startaufstellung. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Diese Episoden schienen fast 70 Jahre lang vergessen. Doch da die Marke Alfa Romeo wieder mit an der Spitze der Formel 1 steht, tut sich etwas. Unter der feuerroten Fronthaube wartet ein alter Motor darauf, wieder aufzubrüllen. Auf den unebenen Straßen eines alten Flugplatzes in Northamptonshire werden Legenden wieder lebendig…

Frédéric Vasseur, Team Principal Alfa Romeo Racing und CEO Sauber Motorsport AG:
„Aus unseren letzten Auftritten können wir viel Positives mitnehmen. Uns ist allerdings allzu bewusst, dass wir uns nicht auf unserem Lorbeer ausruhen dürfen. Im Kampf im Mittelfeld geht es sehr eng zu – wir haben das immer wieder gesagt, aber das ist halt eine Tatsache. Ein gutes oder ein schlechtes Rennen hat direkte Auswirkungen auf die Punktetabelle – es geht nach oben oder nach unten. Also müssen wir weiterhin hart arbeiten und das Gesamtpaket, das wir mit zu den Rennen bringen, optimieren. Nur so können wir sicherstellen, vor unseren Rivalen ins Ziel zu kommen.“

Kimi Räikkönen (Startnummer 7):
„Immer wieder ist es schön, nach Silverstone zu kommen. Es ist eine Rennstrecke der Alten Schule. Dort zu fahren, macht ziemlich viel Spaß, speziell in den schnellen Kurven. Als Team haben wir uns in den letzten Rennen verbessert, und ich denke, dass wir auch in Großbritannien gut abschneiden können. Wie immer, müssen wir einen perfekten Job machen, denn die Abstände zwischen den Teams sind sehr gering. Doch ich bin zuversichtlich, dass wir ein weiteres gutes Ergebnis erzielen können.“

Antonio Giovinazzi (Startnummer 99):
„In Österreich gepunktet zu haben, fühlte sich gut an, aber ich denke, wir können noch viel mehr erreichen.Wir waren konkurrenzfähig und konnten mehr Leistung aus unserem Auto als in der Vergangenheit herausholen. Das ist ein ermutigendes Zeichen für die Zukunft. Die Strecke von Silverstone müsste unserem Auto liegen, und ich bin zuversichtlich, erneut um Punkte kämpfen zu können. Definitiv spürte ich den Geschmack der Top-Ten, und ich möchte weiterhin Punkte sammeln – diesmal vielleicht ohne deshalb Haare lassen zu müssen!“