Juli 12, 2019

#SilGP: Eine Frage der Zeit

2019 FIA Formel 1 Rolex British Grand Prix – Training – Freitag
Wetter: FT1: bewölkt, gelegentlich ein wenig Regen, 19,4-20,3°C Luft, 31-33,1°C Asphalt; FT2: meist sonnig, 21,7-21,8°C Luft, 36,4-37,3°C Asphalt

0,307. Dreihundertsieben Tausendstelsekunden. Dies ist die Zeit, die Licht benötigt, um eine Strecke von mehr als 90.000 Kilometern zurückzulegen. In dieser Zeit schlägt ein Kolibri 30 Mal mit den Flügeln (aber im Schnitt kann ein Mensch nur einmal blinzeln). Es ist eine nur winzige Zeitspanne, aber genau die, die im Resultat des zweiten freien Trainings P8 von P17 trennt.

Wenn der Großteil des Feldes in einer derart kleinen Spanne liegt, ist dies der Beweis für die Konkurrenzfähigkeit des diesjährigen Mittelfeldes. Und es ist auch ein Beweis für die unglaublichen technologischen Fortschritte, die unser Sport im Verlauf der letzten sieben Jahrzehnte gemacht hat. Nur wenn das Streben nach Perfektion und Fortschritt solche Höhen erreicht, trennt lediglich ein Wimpernschlag ein großartiges von einem schlechten Ergebnis.

Das war leider nicht immer so. Unsere geliebte Alfetta, die wir in der Boxengasse stolz neben einem 2019er C38 zu Schau stellten, erlebte die Formel 1 noch mit handgestoppten Rundenzeiten und großen Zeitabständen. Dies zeigte sich insbesondere bei den Boxenstopps. Die Reifenwechsel sind ein gutes Beispiel für die unglaublichen Fortschritte, die im Bereich der F1-Technologie gemacht wurden.: Im Verlauf von rund zwei Sekunden tanzen nahezu 25 Männer und Frauen vor den Boxen routiniert und einer perfekten Choreographie folgend um den Rennwagen.

Im Gegensatz dazu erledigte das Team von Alfa Romeo des Jahres 1950 – das in Silverstone beim allerersten WM-Lauf den schnellsten aller Boxenstopps schaffte – diese Arbeit in 22 Sekunden. Fairerweise muss gesagt werden, dass es damals keine Schlagschrauber zum Lösen und Festschrauben der Zentralverschlüsse gab. Gearbeitet wurde mit einem Bleihammer, mit dem kräftig und (vermutlich) ohne Rücksicht auf die eigenen Finger geschlagen wurde. Beim Nachtanken – damit muss sich unsere Crew heutzutage nicht auseinandersetzen – wurden Kopf und Schultern des Fahrers vorsichtshalber mit einer feuerfesten Decke abgedeckt.

Damals tickten die Uhren anders. Aber der schnellste Boxenstopp war halt der schnellste Boxenstopp – völlig unabhängig von der angewandten Technik. Statt nur einem gleich 40 Wimpernschläge, egal, es war eine Leistung, die dem Team Alfa Romeo mit zum Sieg verhalf.

 

Kimi Räikkönen (Startnummer 7):
Alfa Romeo Racing C38 (Chassis 04/Ferrari)
1. Training: Platz 18/ 1.30,747 (12 Runden) / 2. Training: Platz 13 / 1.28,126 (33 Runden)

„Die Probleme am Morgen machten es schwierig, denn Silverstone kann tückisch sein, wenn man nicht genügend Runden drehen kann. Aber ich habe versucht, die verlorene Zeit nachmittags aufzuholen. Trotzdem bleibt noch viel zu tun. Einige wenige Probleme müssen noch aussortiert werden, aber die letzten Runden fühlten sich bereits recht gut an.“

Antonio Giovinazzi (Startnummer 99):
Alfa Romeo Racing C38 (Chassis 02/Ferrari)
1.Training: Platz 15 / 1.30,099 (24 Runden) / 2. Training: Platz 17 / 1.28,294 (28 Runden)

„Unterm Strich war es ein guter erster Tag auf der Strecke. Die Piste ist nicht so uneben wie beim letzten Mal, als ich hier fuhr. Recht schnell fand ich einen guten Rhythmus. Der Wind machte es draußen ziemlich schwer – von Runde zu Runde wechselte er die Richtung. Doch letztlich ist das für alle gleich, und wir müssen uns entsprechend anpassen. Während meiner Runde auf weichen Reifen unterlief mir ein kleiner Fehler, aber ich bin zufrieden mit dem Tempo, das wir vorlegen konnten. Im Mittelfeld liegen alle dicht beieinander, also müssen wir heute Abend die beste Abstimmung austüfteln, um morgen im Qualifying mit dem bestmöglichen Auto ein gutes Resultat zu erzielen.“