September 8, 2019

#MonGP: Samstags-Blues

2019 FIA Formel 1 Gran Premio Heineken D’Italia – Qualifying – Samstag
Wetter: 3. Training: sonnig, 20,4-21,5°C Luft, 28,6-31,3°C Asphalt; Qualifying: sonnig, 22,3-23,9°C Luft, 35,8-38,9°C Asphalt

Nun, das war bizarr. Im Qualifying wurden die Konventionen auf den Kopf gestellt. Die Sitzung bot Nervenkitzel, sportliche Leckerbissen und ein gerüttelt Maß hörbaren Aufstöhnens. Unter der Sonne von Monza – welch ein Unterschied zum tristen und grauen Himmel, den wir im Verlauf dieser Woche bisher erlebten – entwickelte sich das Qualifying auf unvorhersehbare Weise. In der Folge fragten einige „Was wäre, wenn?“, andere fragten „Was ist da passiert?“, und die Mehrheit im Fahrerlager fragte mit Blick auf den Renntag „Was nun?“

Dem Lokalmatador Antonio brach es fast das Herz, weil er einen Platz in der Top 10 um gerade einmal 0,002 Sekunden verpasste. Hunderte Mitglieder seines Fan-Clubs, erkennbar an ihren blauen T-Shirts, saßen auf der Haupttribüne und wurden beinahe Zeugen eines großartigen Abschneidens des Mannes aus Martina Franca. Beinahe, denn letztlich landete er auf P11. Antonio bleibt jedoch zuversichtlich: Er glaubt daran, morgen ein starkes Rennen fahren zu können, einige Platze gutzumachen und so auf heimischem Grund einige Punkte einfahren zu können.

Kimi war nicht erkennbar beunruhigt. Als per Sprechfunk der minimale Vorsprung angesprochen wurde, der ihm den Einzug in Q3 sicherte, glaubten wir, verstanden zu haben, dass er meinte: „Das ist mir völlig egal, auch wenn es nur eine Tausendstelsekunde wäre!“ Leider endete sein Auftritt im letzten Qualifying-Segment dann bereits im Verlauf seiner ersten fliegenden Runde, als er den Leitplanken einen Besuch abstattete. Dieser Zwischenfall führte zunächst zu einer Unterbrechung des Qualifying und indirekt zu den chaotischen Schlussminuten der Zeitenjagd, die wir aus der Boxen-Perspektive miterlebten.

Was sich abspielte, als die verbliebenen neun Rennwagen aus der Boxengasse rollten, konnte jeder mit eigenen Augen sehen, aber nicht völlig durchschauen. Es wird Twitter in Brand setzen, wenn die Fans das Verhalten jedes einzelnen Fahrers analysieren, und die Folgen werden im morgigen Rennen erkennbar sein. Vielleicht war dies die passendste Art, einen ziemlich bizarren Tag zu beenden.

Frédéric Vasseur, Team Principal Alfa Romeo Racing und CEO Sauber Motorsport AG:
„Gemischte Gefühle nach dem heutigen Qualifying. Wir hatten die notwendige Pace, das Auto war stark, und beide Fahrer machten einen guten Job. Doch es fühlt sich so an, als hätten wir mehr erreichen können. Antonio verpasste Q3 um minimale Sekundenbruchteile, und Kimi baute einen Crash, als er eine starke Runde fuhr. Wir müssen die Schäden an seinem Auto genau diagnostizieren, dann wissen wir, ob der Zwischenfall Konsequenzen hat, was Kimis Startplatz angeht.“

Kimi Räikkönen (Startnummer 7):
Alfa Romeo Racing C38 (Chassis 04/Ferrari)
3. Training: Platz 15 / 1.21,325 (19 Runden) / Q: Platz 10 / 1.20,515 (14 Runden)

„Ich habe den Preis für meinen Fehler zahlen müssen, was ein wenig schade ist, da das Auto ziemlich gut fahrbar war. Die Schäden sind beträchtlich, also müssen wir abwarten, von welchem Startplatz aus ich morgen ins Rennen gehen werde. Aber vielleicht wird sich das Wetter hilfreich auswirken, denn unter wechselnden Witterungsbedingungen können wir immer noch ein gutes Ergebnis erzielen. Definitiv werde ich mein Bestes geben, um im Rennen Boden gutzumachen.“

Antonio Giovinazzi (Startnummer 99):
Alfa Romeo Racing C38 (Chassis 02/Ferrari)
3. Training: Platz 9 / 1.20,881 (15 Runden) / Q: Platz 11 / 1.20,517 (15 Runden)

„Es war ein wenig frustrierend, Q3 um lächerliche zwei Tausendstelsekunden zu verpassen. Im Bereich der zweiten Schikane verlor ich ein wenig Zeit, weil dort nach einem Ausrutscher eines anderen Autos Kies auf dem Asphalt lag. Das ist der Preis, den man zahlen muss, wenn es im Feld derart eng zugeht. Wir wollten mehr, haben aber unverändert Chancen, ein gutes Rennen zu fahren. Wir müssen es positiv sehen: Wir haben freie Reifenwahl, und ich denke, das kann ein Vorteil sein – vorausgesetzt, es regnet nicht. Wir liegen unmittelbar hinter der Top 10 – falls der Start gelingt und wir eine gute Strategie haben, können wir im Kampf um die Punkte mitmischen.“